Die AfD in Sachsen-Anhalt fordert in ihrem Wahlprogramm, die klassische Schulpflicht durch eine „Bildungspflicht“ zu ersetzen. Eltern sollen demnach wählen können, ob ihre Kinder eine Schule besuchen oder zuhause unterrichtet werden. Dazu erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters:
„Schule ist weit mehr als reine Wissensvermittlung. Kinder lernen dort jeden Tag auch das soziale Miteinander: Rücksicht zu nehmen, Konflikte auszuhalten, gemeinsam Lösungen zu finden und andere Meinungen zu akzeptieren. Wer Unterricht immer stärker ins private Wohnzimmer verlagern will, riskiert gesellschaftliche Abschottung und Parallelwelten. Demokratie lernt man nicht allein am Bildschirm oder am Küchentisch.
Die Schulpflicht gehört deshalb zu den Grundpfeilern unseres Bildungssystems. Wer sie infrage stellt, gefährdet nicht nur die Bildungsqualität, sondern auch Chancengleichheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Kinder brauchen verlässliche Strukturen und gemeinsame Bildungsstandards - unabhängig davon, aus welchem Elternhaus sie kommen.
Der Vorstoß der AfD in Sachsen-Anhalt ist ein bildungspolitisches Experiment mit unkalkulierbaren Folgen. Und es spricht vieles dafür, dass solche Ideen früher oder später auch in Mecklenburg-Vorpommern von der AfD auf die politische Tagesordnung gesetzt werden.
Gerade bei uns wären die Folgen besonders problematisch. Mecklenburg-Vorpommern ist ein Flächenland, zudem werden demographisch bedingt die Schülerzahlen zurückgehen. Nach aktuellen Prognosen werden in 15 Jahren rund 18 Prozent weniger Schülerinnen und Schüler unterrichtet als heute. Wenn dann zusätzlich mehr Kinder zuhause lernen, fehlen sie in den Klassen vor Ort. Das würde vor allem kleine Schulen im ländlichen Raum massiv unter Druck setzen. Im schlimmsten Fall müssten Standorte schließen. Für Familien bedeutete das längere Schulwege, für viele Orte ginge ein wichtiger Mittelpunkt verloren.
Vor allem aber würde Heimunterricht soziale Unterschiede eher verschärfen als abbauen. Nicht jede Familie hat die Zeit, die pädagogischen Möglichkeiten oder die technische Ausstattung, um Unterricht zuhause dauerhaft auf hohem Niveau sicherzustellen. Am Ende wären vor allem die Kinder benachteiligt, die ohnehin weniger Unterstützung bekommen. Bildungserfolg darf aber nicht davon abhängen, wie viel Zeit, Geld oder Bildung Eltern selbst mitbringen.
Natürlich gehören digitale Lernangebote heute zu einem modernen Bildungssystem dazu. Aber digitale Angebote können Schule nur ergänzen, nicht ersetzen.
Besonders kritisch ist zudem die Gefahr, dass sich Kinder stärker in ideologisch geprägte Parallelwelten zurückziehen. Schule muss ein Ort bleiben, an dem Kinder unabhängig vom Elternhaus gemeinsam lernen, sich miteinander auseinandersetzen und erleben, was gesellschaftlicher Zusammenhalt und demokratisches Miteinander bedeuten.“

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