Katy Hoffmeister: Rechnerische Überversorgung hilft niemandem - Versorgungssicherheit braucht politische Verantwortung

29.01.2026

Medienberichten zufolge stuft die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern den Planungsbereich Wolgast derzeit als rechnerisch überversorgt ein und sieht keinen zusätzlichen Bedarf an hausärztlichen Arztsitzen.
Gleichzeitig weisen sowohl die Bürgermeisterin der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf als auch die Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg auf erhebliche strukturelle Versorgungsprobleme im ländlichen, touristisch geprägten Raum der Insel Usedom hin. Hierzu erklärt die Gesundheitspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Katy Hoffmeister:

„In dieser Situation haben alle Beteiligten gute Argumente, doch genau deshalb darf sich Politik nicht hinter Zuständigkeiten oder Rechenmodellen verstecken. Die Hinweise der Bürgermeisterin vom Ostseebad Heringsdorf zeigen eindrücklich, dass die aktuelle Bedarfsplanung die tatsächliche Versorgungslage vor Ort nicht realistisch abbildet. Wenn eine Gemeinde mit Millionen touristischer Übernachtungen, erheblichen Pendlerströmen und saisonalen Spitzen rechnerisch als überversorgt gilt, läuft offensichtlich etwas schief. Es braucht daher auf Bundesebene eine Reform der Bedarfsplanung, die den tatsächlichen Bedarfen entspricht und den Ländern mehr Spielraum bietet.

Zugleich teilt die CDU-Fraktion ausdrücklich die Einschätzung der Industrie- und Handelskammer, dass die ärztliche Versorgung ein zentraler Standortfaktor ist. Ohne verlässliche medizinische Infrastruktur verlieren Regionen wie die Insel Usedom an Attraktivität, und zwar für Beschäftigte, Unternehmen und Gäste gleichermaßen. Die Kassenärztliche Vereinigung handelt im Rahmen der geltenden Bedarfsplanungsrichtlinien, das ist unbestritten. Genau deshalb liegt der Schlüssel zur Lösung nun bei der Landespolitik. Die bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten zur Feststellung von Sonderbedarfen sind ausdrücklich dafür geschaffen worden, regionale Besonderheiten zu berücksichtigen.

Auch wenn das formal eine Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung im Rahmen der Selbstverwaltung ist, ist das Sozialministerium in der Verantwortung. Die Sicherstellung der medizinischen Versorgung ist durchaus auch Landesaufgabe, nämlich immer dann, wenn sie gefährdet ist. Hier ist Ministerin Drese in der Pflicht, nicht nur auf Usedom, sondern landesweit einen Perspektivplan mit den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung für die zukünftige medizinische Versorgung aufzustellen. Darüber hinaus ist die Landesregierung aufgefordert, die Auswirkungen des Zensus auf die Bedarfsplanung und die Niederlassungsmöglichkeiten zu überprüfen und gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung nach weiteren Lösungsmöglichkeiten zu suchen.“